Am Tag als die Bomben fielen 2.Februar 1945
Mama hatte Waffeln gebacken und Kartoffelsuppe dazu. Von Papa hatten wir immer noch keine Nachricht. Am Abend war wieder Fliegeralarm, wie jeden Abend. Anna schaute zum Himmel und sah die Fallschirmlichter, die der Wind von Karlsruhe runter trieb. Das bedeutet nichts Gutes, sagte Mama. Gehen wir zum Jakob in den Keller, da ist wenigstens ein Mann da. Ansonsten kamen immer Schmiedheiner und Brunners nebenan zu uns, weil Papa den Keller hergerichtet hatte. Als wir über die Straße liefen, gings auch schon los. Niemand glaubte mehr an ein Rauskommen. Der alte Sternenwirt Wickenhäuser kniete auf den Dickrüben und betete. Toni, Jahrgang 26, jammerte immerzu, um ihre Kätzchen. Als der Bombenhagel vorüber war, trauten Anna und ich uns als erste raus. Ich sah weiße Wölkchen aus den Dachziegeln steigen und ahnte nicht gutes.
Im oberen Stockwerk hatten drei Bündel Brandbomben durchgeschlagen, das eine im Speicher, das zweite bei Getel in die Betten, das dritte in unserem Kinderzimmer. Getel hatte bei ihrer Mutter geschlafen. Sie hatte ja nach drei Jahren Ehe ihren Albert verloren in Russland 1943. Die beiden waren 28 Jahre alt. Getl hatte nun auch ihre ganze Habe verloren, nur Mantel und Strohschuhe blieben ihr. Der Pole Andre konnte auch nichts mehr retten.
Ich stand auf der Leiter oben bei der Dachkandel und schüttete mit dem Eimer Wasser aufs Dach, das mir hochgereicht wurde. Endlich kam auch zu uns die Feuerwehr, die das Feuer löschte. Das Feuer fraß sich die Holztreppe zum Keller runter. Unter der Treppe hatten wir eine große Holztruhe, wo Mama ihr gutes Geschirr, auch Papas gemalte Bilder aufgehoben hatte. Alles war kaputt. Papa hatte eine gute Hand zum Malen. Auch hatte er eine Geige, die er von St. Blasien mitbrachte, wo er arbeitete, als er noch ledig war. Ja und nun gingen wir zusammen zu Mutter Veronika heim. Doch Tante ihre Eltern hatte in Büchenau auch alles verloren und so blieben wir bei Mutter nur zum Schlafen. Bei Eugenia Baumgärtner in der Kirchstraße, neben der Sternenwirtsscheune haben wir gekocht. Inzwischen war der Krieg zu Ende, die Franzosen und Marokkaner kamen in unser Dorf mit ihren Panzern. Sie haben auch das Schlafzimmer von Eugenia beschlagnahmt und sie musste mit uns zum Onkel Hermann. Die Schweine fütterte ich noch jeden Tag in der Hauptstraße. Auch hatten wir noch vier Gänse im Schweinestall. Leider gingen sie nacheinander kaputt, da in dem Getreide Phosphor war.
Da, endlich kam im Sommer unser Papa heim und wir weinten alle vor Freude. Papa sagte: „Gott sei Dank, dass ihr alle noch lebt. Wir bauen unser Haus wieder auf.
Gerlinde Baumgärtner
August 2025
